Welche Voraussetzungen solltest du mitbringen und warum kann man Philosophie wählen?

Philosophieren kann tatsächlich jede und jeder. Es setzt anfangs kein Wissen und keine besonderen Fertigkeiten voraus, wohl aber die Lust am eigenständigen Denken, am aufmerksamen Zuhören dabei, was andere zu sagen haben, und auch am Lesen von Texten von Philosophen. Du brauchst die Bereitschaft, Wohlbekanntes zu hinterfragen, dich auf Probleme einzulassen, die sich im Alltag nicht selbstverständlich stellen, und die eigene Sprache zu schärfen. Du musst es aushalten, dass nicht alle einer Meinung sind und dennoch nach einer richtigen oder wahren Antwort suchen. Philosophieren macht Spaß und gehört zum Menschsein dazu, weil man ganz unabhängig von äußeren Hilfsmitteln neue „Horizonte“ entdecken kann, Grundsätzliches verstehen möchte und auf die Welt nicht nur auf eine einzige Weise, sondern auch in einem neuen Licht blicken möchte.


Welche Kompetenzen kannst du im Fach Philosophie erwerben?

Du erwirbst Fähigkeiten von grundlegender Bedeutung für dein Lernen und den Erwerb von Wissen ganz allgemein sowie für die eigene Orientierung bei der Suche nach Antworten auf Lebensfragen. Konkret gehört dazu:

Wahrnehmen und Deuten als Fähigkeit, Phänomene der Alltagswelt auf ihren philosophischen Gehalt hin zu prüfen und philosophische Fragen von anderen Fragen zu unterscheiden

Argumentieren und Urteilen als Fähigkeit, philosophische Argumentationen von bloßen Behauptungen zu unterscheiden, kritisch zu beurteilen und sich selbst innerhalb einer Problemstellung begründet zu positionieren

Darstellen als Fähigkeit mündlich, schriftlich oder mithilfe präsentativer Mittel (z.B. Standbilder, Dialoge, Collagen) die eigene Auseinandersetzung mit philosophischen Postionen auszudrücken und für andere nachvollziehbar zu machen.


Was sind die verbindlichen Inhalte im Fach Philosophie?

Neben Fragestellungen, die gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern entwickelt und nach Interessenlage behandelt werden, werden folgende Themen verbindlich behandelt:

Arbeitsbereich Klasse Fragestellung und Thema

 Anthropologie und

Kultur

7  Wer bin ich? Was macht mich aus?
Tier und Mensch: Was bedeutet es, dass ich ein Mensch bin?

Ethik

Dilemma-Diskussionen

7 Wie handele ich richtig?
Wozu brauchen wir Regeln und Erziehung überhaupt?
Was ist eine gute Schule?
Metaphysik 7 Bin ich glücklich, wenn ich Spaß habe?
Ist Glück das Wichtigste im Leben?

Ethik

Liebe

9 Hilft Philosophie bei Liebeskummer?
Lieben Mädchen und Jungen unterschiedlich?

Metaphysik

Tod

9 Was bedeutet es für unser Leben, dass wir sterblich sind?
Ist der Tod immer ein Übel?
Möchte ich unsterblich sein?

Anthropologie und

Kultur

10 Selbsterkenntnis und Identitätsbildung
Das Menschenbild des Existenzialismus

Sprache und

Erkenntnis

10 Wie kommt die Welt in unseren Kopf?
Wodurch unterscheiden sich Wissen und Meinung?

Ästhetik

Medienphilosophie

10

Realitätskonstruktion in Medien und in sozialen Netzwerken: schöne virtuelle

(Bilder-) Welt?

 

Was wird im Fach Philosophie beurteilt?

- die Bereitschaft, sich auf philosophische Problemstellungen und Lösungsansätze einzulassen

- die nachvollziehbare schriftliche wie mündliche Darlegung angeeigneter Fachkenntnisse

- die kritische, eigenständige Auseinandersetzung mit philosophischen Positionen

- das bezugnehmende und begründete Urteilen

- die laufende Mitarbeit (70 %) sowie eine schriftliche Ausarbeitung als Klausur oder Essay (30 %)

 

Wie kann man sich Philosophieunterricht konkret vorstellen?

Bei Schülerinnen und Schülern ist u.a. das Thema „Glück“ beliebt. Eine Unterrichtsreihe hierzu könnte folgendermaßen aussehen: Zunächst fragen wir danach, was wir unter „Glück“ verstehen und suchen nach unterschiedlichen Bedeutungen (etwa das Glücklich-Sein im Unterschied zum Spielglück). Wenn wir Klarheit gewonnen haben über das Phänomen, das uns interessiert, geht es darum, eine leitende Fragestellung zu entwickeln. Zum Beispiel könnte diese lauten: „Warum ist es den Menschen so wichtig, glücklich zu sein?“ oder „Ist das Streben nach Glück dem Menschen angeboren?“ Diese Leitfrage gilt es nun, durch eigene Reflexion, durch den Dialog untereinander und die Auseinandersetzung mit den Positionen philosophischer Autoren zu beantworten (Was verstanden die Menschen vor 2000 Jahren unter Glück? Welche Glücksvorstellungen kennen andere Kulturen? Was gehört für uns heute dazu?). Im Laufe dieses Prozesses kommt man vielleicht zu dem Schluss, dass es keine befriedigende Antwort gibt, dass man die Frage vielleicht neu und anders formulieren muss oder vielleicht erst einmal einer ganz anderen Frage nachgehen möchte. Das Entscheidende im Philosophieunterricht ist nicht das Wissen um Fakten, sondern das Philosophieren selbst, d.h. die Wahrnehmung eines Problems, die Entwicklung einer eigenen Fragestellung und die Suche nach Antworten kraft eigenen Denkens und in der Auseinandersetzung mit den Mitschülern. Am Ende wird es darauf ankommen, welche Position am meisten überzeugt. Dazu müssen schlagkräftige Argumente formuliert werden, die sich in der Diskussion bewähren.

 

 

Links:

Recherchetipps für die Präsentationsleistung und -prüfung in "Philosophie"

Philosophie Leitfaden Präsentationen

 

Dr. Eva Fritsch - Fachleitung Philosophie